Norwegen – Reiseerfahrungen

Wie stellen wir uns als Mitteleuropäer Norwegen vor? Schöne Landschaft, perfekte Gesellschaft, nordische Kneipen, Wikinger, hohe Preise? – Resümee, Eindrücke und Conclusio unserer Reise.

Die gewonnenen Erfahrungen berufen auf unserer, eine gute Woche andauernde Reise Mit dem Wohnmobil durch Norwegen von Bergen in den Norden bis nach Alesund. Wir? Drei Freunde aus Österreich, Wien.

Vorstellungen vor der Reise

Ein jeder hat ja so seine Vorstellungen von einem Land, auch wenn man sich noch nicht intensiv damit beschäftigt hat. So war es jedenfalls bei mir: mehr als mit der Reiserouten und schönen Fjord-Landschaften als Fotomotiv habe ich mich nicht mit der skandinavischen Kultur Norwegens per se beschäftigt. Nichts desto trotz hatte ich zusammengefasst folgende Vorstellungen, was uns erwarten würde:

  • Teure Preise – wie überall in Skandinavien dank dem hohen Durchschnittseinkommen der Bevölkerung
  • Unglaubliche Landschafen – in Norwegen ganz besonders die Fjorde, Berge und Wälder
  • Nordische Traditionen – allen voran die Wikinger, jedenfalls präsent
  • Nordische Lebensweise – ähnlich wie an der Nordsee wie ich es bereits aus Hamburg kenne, sprich urige Kneipen, viel Seefahrt und Fischfang
  • Vorzeige-Gesellschaft – jedenfalls in „moderner“ Hinsicht, sprich staatliche Institutionen funktionieren perfekt, die Zahlung läuft per Kreditkarte und eine Vielzahl an Maßnahmen, welche bei uns mit Verweis auf die skandinavischen Länder versucht werden, umzusetzen.

Skandinavien – ein teures Pflaster

Die Erwartung der teuren Lebenshaltungskosten hat sich – welch Überraschung – beweisen. Durch die Bank, von Lebensmitteln im Supermarkt, bis hin zum Essen gehen oder ganz generell dem Alkohol kann man durchschnittlich mindestens das doppelte bis dreifache einkalkulieren.

Auf der Fähre übern Fjord

Ein Bier in einer einfachen Gaststätte kostet schnell einmal 100 Kronen, sprich 10€. Im Supermarkt durchschnittlich 25 bis 30 Kronen, also nicht ganz 3€ pro Dose. Gleiche Preiserhöhung kann man im gründe auf nahezu alles rechnen, ganz besonders aber für die Vielzahl an Fähren, welche man über die Fjorde während einer Reise benötigt: oftmals braucht man zwei Fährverbindungen am Tag, welche gleich einmal bis zu 800 Kronen, sprich alleine führ das 80€ ausmachen – das geht ins Geld.

Beeindruckende Landschaft

Wie von Norwegen erwartet war die Landschaft ganz einfach beeindruckend. Auch wenn ich bei den Fjorden kein Bisschen Meer gespürt habe obwohl das doch der große Unterschied zwischen See und Fjord ist: Fjorde sind direkt vom Meer mit Meerwasser gefüllte Gebirgstäler. Davon bekommt man jedoch wenig mit, mehr scheint es wie eine unendliche Vielzahl an Bergseen.

Norwegen wie aus dem Bilderbuch – Hoven
Gletscher über dem Geirangerfjord

Um gigantische Fjorde entsprechend beschreiben zu können fehlt mir persönlich leider das dichterische Gefühl – so etwas muss man erlebt haben. Umso mehr in Zusammenhang mit der rohen Gewalt und gleichzeitig wunderschönen Vielfalt der Mutter Natur gleich nebenan durch ganzjährige, beeindruckende Gletscher und Wasserfälle.

So spannend die eher im Landesinneren gelegenen Fjorde und Gletscher, so durchschnittlich habe ich jedenfalls die Landschaft in Küstennähe empfunden: die Fjorde laufen sehr fließend aus ins Meer, eine richtige Küste gibt es nicht.

Wikinger muss man suchen…

… ansonsten hätte man von der Geschichte des Landes nichts mitbekommen. Vermutlich auch ein Ergebnis des Prozesses zur „modernen Gesellschaft“, mit der Vergangenheit nur mehr wenig am Hut zu haben. Traditionen bzw. insbesondere die alten Wikinger spiegeln sich in der Gesellschaft heutzutage genau nirgendwo mehr wieder, lediglich in gewissen Museumsdörfern, wo eine Hand voll Handwerker das damalige Leben „nachlebt“ und den Gäste Einblick in Ihr Handeln gewährten.

Wikingerdorf Njardarheimr

Kneipe Fehlanzeige

Wer glaubt, in Norwegen abseits von den großen Städten in eine urige Dorfkneipe zu gehen, dort einen üblichen Met (Honigwein) oder Bier mit der lokalen Bevölkerung zu trinken und dadurch das Land erst so richtig kennenzulernen, der irrt – diese Lokalitäten müssen erst gebaut werden und existieren derzeit ganz einfach baulich nicht. Vielmehr bleibt ein ländlicher Norweger ganz einfach zu Hause.

Dementsprechend trifft man auf lokale Leute nur in den eher studentisch angehauchten Ballungsräumen, in unserem Fall also Ålesund, welche sich anscheinend durch legendäre Housepartys definiert und das wunderschöne Bergen.

Moderne Gesellschaft

Wie schon eingangs erwähnt werden skandinavische Länder ja oftmals als Vorreiter der „modernen Gesellschaft“ genannt. Unabhängig ob man das nun gut oder schlecht heißen möchte, merkt man dies in Norwegen schon in vielerlei Hinsicht kennen.

Bargeld wurde de facto abgeschafft, mehr als die Hälfte aller Lokale akzeptieren nur mehr Kreditkarten, Bargeld ist im gründe kein anerkanntes Zahlungsmittel mehr. Von Geld wechseln übrigens kann man nur träumen, da lässt man lieber sein Kreditkartenlimit vor der Reise erhöhen – man wird es brauchen.

Vom Staat als „schlecht“ definierte Konsumgüter wie Alkohol und Tabak unterliegen nicht nur wie üblich höherer Steuerbelastung, sondern dürfen beispielsweise (Alkohol) nur wochentags bis 20:00 Uhr verkauft werden. Wer dann sich nicht mit ein zwei Bier in der Tasche eingedeckt hat, wird den Abend über am Trockenen bleiben. Ähnlich selbstverständlich mit Tabakwaren, eine Frage der Zeit wann es mit Fleischwaren umgesetzt wird.

Lachs am Fischmarkt Bergen

Positiv muss man natürlich sagen, dass jedes angekündigte Service auch ohne wenn und aber umgesetzt und angeboten wurde: Fähren waren selbstverständlich pünktlich, Lokale hatten genau wie angegeben offen und alles kostete so viel wie offiziell ausgemacht.

Erfahrungen & Erlebnisse

Zusammenfassend war unsere Reise, abgesehen von persönlichen Zusammenwachsen und Abenteuer miteinander, kulturell jedenfalls unglaublich spannend. Vor allem der Vergleich zwischen Erwartung, mitteleuropäischen „Tratsch“ und der erlebten Realität vor Ort. In einem Satz würde ich folgendes Resümee für mich selbst definieren:

Landschaftlich ist Norwegen jede Reise wert. Fjorde die wie Bergseen zwischen gigantischen Gebirgen wirken, an welche der nächste Gletscher anschließt. Als Camper und abenteuerlustiger Reisender wird man mit einem Wohnmobil in Norwegen glücklich und findet die besten Motive und die entspannteste Ruhe. Gesellschaftlich jedoch würde ich aufgrund der vielen Restriktionen und Vorgaben keine Freiwillige Reise antreten und schätze fortan umso mehr die Freiheiten in unseren Landen.

Gernot, Mit dem Wohnmobil durch Norwegen

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