Jedermannsrecht in Norwegen

Norwegen – der Traum aller Camper. „Wann und wo man will wild campen…“, so jedenfalls lautet das Gerückt. Doch stimmt das? Auf was muss man achten und praktische Tipps wenn es schwierig wird, folgen hier.

Da wir wie vermutlich die meisten Leser dieser Beiträge mit dem Wohnmobil unterwegs waren und sein werden, bezieht sich dieser Beitrag auch ganz klar auf das Wild Campen mit Wohnmobil in Norwegen. Reisende mit Zelt haben noch etwas mehr Freiheiten, weshalb ich direkt andere Quellen empfehlen würde.

Rechtliche Theorie

Das uralte Jedermannsrecht besagt, dass eben „jeder“ auf nicht kultiviertem Land (egal, wem es gehört) mit mindestens 150m Abstand und ohne jemanden zu stören, Müll zu hinterlassen oder Gut&Natur zu zerstören, unter freiem Himmel übernachten darf.

Buch: Free Campers Guide Norway

Neben all den Restriktionen fällt etwas gleich ins Auge, und zwar unter freiem Himmel, was so viel bedeutet wie maximal mit einem Zelt. Dem entsprechend ist, was das Übernachten ohne Campingplatz betrifft, rein juristisch also, das Jedermannsrecht für Wohnmobile nicht anzuwenden. Aber wie wird es gelebt?

Camper Paradies Norwegen

In der Praxis sieht es anders aus: Norwegen ist unter Anderem wegen dem Jedermannsrecht und der Möglichkeit, an einsamen Orten unkompliziert zu übernachten, schlichtweg das Paradies für Leute mit Wohnmobil bzw. wie man heute so schon sagt: Reisende mit Camper.

Anders als in vielen südlichen Ländern kommt es einem so vor als wären Wohnmobile für oder in Norwegen erfunden worden: der Reisestil passt perfekt zum Land. Restriktionen, Fahrverbote und andere Hindernisse sind de facto nicht vorhanden – die Preise auch sehr in Ordnung. Einer Reise mit dem Wohnmobil ins Land der Fjorde steht also nichts mehr im Wege, wäre da nicht diese kleine Restriktion bzw. ein paar Details auf die man achten sollte.

Wild Campen mit Wohnmobil

Grundsätzlich kann man sich an die Vorgaben des Jedermannsrechtses halten, um beim mit dem Wohnmobil Wild Campen sehr angenehm toleriert zu werden. Ohne in juristischen Klauseln zu sprechen also kurz gesagt, neben dem selbstverständlichen Punkt „verlasse den Ort so wie du ihn aufgefunden hast“, folgende:

  • min. 150m entfernt von Zivilisation (wobei das schon sehr knapp bemessen ist – will man ruhig schlafen und die Landschaft und den Abend entspannt genießen, sollte man ganz einfach schauen, dass man weder in unmittelbarer Sichtweite, noch direkt an befahrenen Straßen steht)
  • keine eingezäunte oder abgesperrte Flächen (da man weder einbrechen will, noch mit dem Wohnmobil ohne Aktives Durchdringen der Zäune ohnehin nicht reinkommt, es hat einen Grund weshalb es abgesperrt ist)
  • keine kultivierten oder klar genutzten Flächen (sprich weder im Weizenfeld, noch am Parkplatz vor der Fährverbindung, da man entweder etwas zerstört oder im Weg steht)
  • nicht mehr als 2 Nächte am gleichen Ort bleibt (wer so viel Zeit hat, soll sich einfach mehr des schönes Landes anschauen)

Bleibt nur noch die Frage wie man letztendlich derart geeignete Plätze findet. Dies hängt sehr von Region zu Region ab: oft würde sich jede dritte Seitenstraße oder jeder zweite Forstweg anbieten – manchmal jedoch findet man tatsächlich nicht so viel und könnte den einen oder anderen Tipp benötigen.

Abhilfe hierfür bietet zum einen der für allgemein Skandinavien geltende Wild Guide Reiseführer mit den verschiedensten Orten und generellen guten Tipps bezüglich Wild-Camping.

Auch sehr zu empfehlen ist aber tatsächlich die kostenlose App park4night.com mit auf einer interaktiven Karte (ähnlich wie Markierungen auf Google Maps) markierten Plätzen, oftmals mit Bildern und Beschreibungen für welche Größen und Bewertungen. Dass die App bzw. Webseite nicht unbekannt ist, ist kein Geheimnis, weshalb man sich ähnlich wie bei TripAdvisor auch bewusst sein muss, dass Plätze mit mehreren Rezensionen auch gerne angefahren werden und man oftmals nicht alleine ist.

Erwartungen – was erwartet Euch?

Wild zu Campen hat seinen ganz besonderen Reiz, im Grunde basierend auf Verzicht von Kontakt zur üblichen Zivilisation. Folgende Punkte sind ganz besonders eindrucksvoll und sollten einen jeden Norwegen Camper jedenfalls eine Nacht in der freien Natur stehen lassen:

  • Ruhe & Natur – abends nach dem Essen bei einem Bier, einem guten Glas Whisky und einer Zigarre in aller Ruhe den Sonnenuntergang, die Landschaft und nächtliche Ruhe genießen. Philosophieren und die Seele baumeln lassen, ganz ohne Störung und ohne Sogren des Alltages.
  • Autarkes Leben – vom Kochen, Duschen, Zähneputzen bis zum Licht, Stromanschluss und letztendlich dem Haushalten von vorhandenen Ressourcen. Diese wollen auch entsprechend eingeteilt werden, weshalb es sich ohnehin nicht empfiehlt mehr als drei tage durchgehend wild zu campen.
  • Abenteuer Pur – schon mal das nächtliche Rascheln in der Nacht gehört? Was ist es wohl, ein Eichhörnchen? Für Abenteuerlustige und Naturbegeisterte auf jeden Fall ein schöner Anblick sich auch einmal auf die pure Natur vor Ort konzentrieren zu können.
  • Zauberhafte Orte – wie oft ist man tagsüber an den märchenhaft schönen Orten und abends dann am langweiligen Campingplatz? Nicht so wenn man sich schon tagsüber für abends seine Traum-Location in der Landschaft aussuchen kann.
  • Kostenlos – zu guter Letzt in einem für Europäer recht teures Land die Kostenfrage. Wild zu Campen ist selbstverständlich kostenlos, man erspart sich jedoch keine Unsummen, durchschnittlich 250 Kronen, sprich 25€ pro Nacht, so man nicht auf einem Campingplatz übernachtet.

Tipps beim Wild Campen

Vorbereitet für die Übernachtung in der Wildnis kann man sich das laben und den Abend sicher drei Mal so schön und sorglos machen. Es gilt wie immer der Hausverstand, sprich geladene, technische Ressourcen wie Treibstoff, Wasser, Strom. Außerdem empfiehlt es sich natürlich entsprechend Proviant mit an Bord zu haben, gerne auch mehr als notwendig, sollte sich die Reise anders als geplant entwickeln. Letztendlich bekommt man einen guten Eindruck wie wir es gemacht haben, wenn man einen Blick in unseren Reisebericht wirft: Mit dem Wohnmobil durch Norwegen

Campingplätze – auch gut!

Auch wenn es in diesem Artikel ums Wild Campen mit dem Wohnmobil bzw. Camper geht, möchte ich die Campingplätze in Norwegen nicht schlecht reden – ganz im Gegenteil. Da ja jeder bei Bedarf auch wild campen kann, geben sich die Campingplatz Betreiber in Norwegen ganz besonders Mühe für verhältnismäßig wenig Geld (wie oben erwähnt durchschnittlich an die 250 Kronen, sprich 25€ pro Nacht) traumhafte und komfortable Locations zu bieten.

Meiner Meinung nach gute Infos, neben dem allgemein als Norwegen Reiseführer unschlagbarer Lonely Planet Norwegen, ganz konkret der Camping Reiseführer Norwegen mit dem Wohnmobil.

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